Der Wellensittich

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Wellensittich

 

Der Wellensittich ist ein uns vertrauter Anblick, gehört er doch zu den beliebtesten Käfigvögeln in Deutschland. In ihrer Heimat Australien bevölkern Wellensittiche zu Tausenden Landstriche mit hartem Klima. Kälte, Hitze und sogar Dürreperioden meistern die kleinen Flugkünstler mit erstaunlichem Geschick.

 

Lebensweise

 

Nomaden in der Wüste

Als Stubenvögel kennen wir sie in bunten Farben. In der Wildform sehen Wellensittiche allerdings alle gleich aus: Sie haben einen hellgrünen Bauch, ein gelbes Köpfchen, auf dessen Oberseite und dem Rücken eine schwarz-gelbe Wellenzeichnung zu finden ist. Die kleinen Vögel leben in trockenen Grassavannen im heißen Zentrum Australiens. Auf der Suche nach Nahrung und Wasser sind sie ständig unterwegs. Es wird vermutet, dass Wellensittiche ein Gespür für Regen haben, denn der bedeutet Nahrung und Nachkommen und sichert so das Überleben der gefiederten Wüstennomaden. Ihre hervorragenden Flugkünste erlauben den Wellensittichen schnelle Ortswechsel. Versiegt eine Wasserstelle, steigen die Vögel hoch in den Himmel auf und legen mitunter hunderte von Kilometern zurück, um neue Gebiete zu erschließen. Ihre ganze Lebensweise ist perfekt dem unregelmäßigen Rhythmus von Regen und Trockenheit angepasst. So sind Wellensittiche das ganze Jahr über in der Lage zu brüten.

 

Gesellschaft ist Trumpf

Ein Wellensittich lebt niemals allein. Häufig versammeln sich Trupps von 40 bis 60 Artgenossen, um zusammen umherzustreifen. Sie schlafen zusammen und fliegen gemeinsam zur Tränke. Auf dem Weg zu neuen Wasserstellen vereinigen sie sich zu riesigen Schwärmen. Der Zusammenhalt hat vor allem eine Schutzfunktion. Die Tiere verständigen sich untereinander über wildes Geschnatter und lautes Gezeter. Trotz des Geschreis erkennen sie einander an den feinen Nuancen ihrer Rufe. Das leise Gezwitscher während der Ruhephasen wirkt beruhigend auf die Truppe. Senkt sich die Sonne rasch über dem australischen Outback, zieht es die Wellensittiche in Scharen in ihre Schlafbäume. Aufgeplustert und eng aneinander gekuschelt, wärmen sie sich gegenseitig, denn über Nacht wird es empfindlich kalt. Schnell verstummt das aufgeregte Gezeter. Morgens wird nach einigen Rundflügen oft erst ein erfrischendes Bad in der nächsten Wasserstelle oder einer taunassen Wiese genommen. In der glühenden Mittagszeit versammeln sich die Vögel gern im Schatten großer Eukalyptusbäume, um sich auszuruhen oder sich ausgiebig das Gefieder zu pflegen.

 

Ernährung

 

Müsli pur

Wellensittiche ernähren sich überwiegend von Grassamen und anderen Körnern. Sie nehmen die Sämereien vom Boden auf oder biegen die Halme mit ihrem eigenen Körpergewicht zu Boden, sodass sie die Körner einfacher abknabbern können. Mit ihrem Schnabel und der Zunge müssen die hungrigen Sittiche jeden einzelnen Samen erst schälen. Die Samen sind sehr nahrhaft, enthalten allerdings wenig Wasser. Deswegen sind die Vögel stets auf Wasser in ihrer näheren Umgebung angewiesen. Heiße Tagestemperaturen und ein energieaufwendiger Flug machen eine regelmäßige Wasserverfügbarkeit für die Wellensittiche lebensnotwendig. Regelmäßig fliegt der Trupp deshalb zur Tränke. Sobald nach reichlichen Regenfällen die australische Natur zu neuem Leben erwacht, können die kleinen Papageien endlich ihren Speiseplan erweitern. Nun verzehren sie gierig frische Pflanzenteile, Keimlinge und Früchte. Es wurde sogar vereinzelt beobachtet, dass Wellensittiche nebenbei Ameisen aufpicken.

 

Verhalten

 

Gemeinsam durchs gefahrvolle Outback

Der Zusammenhalt einer Gruppe ist sehr intensiv. Ein einzelner Vogel, der zur nächsten Tränke fliegt, vermag die ganze Schar mitzureißen. Auch zum Brüten versammelt man sich im Schutz der Gemeinschaft. Das feine Gehör und ganz persönliche Lautäußerungen sind sehr wichtig, damit die Ehepartner zueinander finden. Diese Fähigkeit erlaubt es dem Wellensittich auch, in menschlicher Umgebung gelegentlich eine ››Fremdsprache‹‹ zu erlernen. Im Gegensatz zu den verspielten Wellensittichen hierzulande leben ihre wilden Artgenossen im australischen Outback gefährlich. Gelegentlich werden brütende Vögel von harmlosen Schwalben oder plumpen Höhlenschwalmen aus ihren Nisthöhlen vertrieben. Richtig ernst wird es, wenn der Graurücken-Würgatzel (Cracticus torquatus) auftaucht, ein Vogel aus der Familie der Würgerkrähen. Er wird schnell zur Gefahr für die Jungen, die laut rufend ihre Köpfe durch das Einflugloch stecken. Der große Vogel zieht sie einfach aus der Höhle und verspeist sie. Aufgrund ihrer grünen Gefiederfarbe sind Wellensittiche im Schatten von Bäumen aber sehr gut getarnt. Durch ihr enormes Flugvermögen und rasche Richtungswechsel lassen sie sogar den auf fliegende Beute spezialisierten Wanderfalken das Nachsehen haben.

 

Ohne Regen keine Brut

Wenn der Regen überall die Gräser zum Sprießen bringt, sind in absehbarer Zeit die zur Aufzucht der Jungen erforderlichen halbreifen Grassamen zu erwarten. Sobald es also regnet, starten die Wellensittiche mit einer innigen Balz. Ist die Bindung von beiden Seiten bekräftigt, hält sie ein ganzes Leben lang. Die Männchen suchen überall fleißig nach Bruthöhlen, aber welche dann schließlich bezogen wird, entscheiden die Weibchen. Sie sind es auch, die die Nisthöhle einrichten. Erst wenn alles stimmt, legt das Weibchen im Abstand von je zwei Tagen vier bis sechs Eier. Die Brut dauert 18 Tage, genauso lange, wie die Natur benötigt, um die Grassamen reifen zu lassen. Brutdauer und die Verfügbarkeit von Nahrung sind genau aufeinander abgestimmt. Das Männchen darf nicht ins Innere der Bruthöhle, sondern füttert das Weibchen und später auch die Küken durch das Einflugloch. Die Jungen haben einen so schweren Kopf, dass sie in den ersten Tagen nicht in der Lage sind, diesen anzuheben. Sie liegen nur auf dem Rücken, aber auch in dieser Lage können sie vom Weibchen gefüttert werden. Sind die Jungen fast flügge, verlässt auch das Weibchen die Bruthöhle. Die Küken werden nun direkt am Eingang der Höhle gefüttert und können sich so mit der Welt vertraut machen, die sie außerhalb ihrer Höhle erwartet. Haben sie das Nest verlassen, werden sie nicht mehr gefüttert, sondern begleiten ihre Eltern auf der Suche nach Nahrung.

 

Andere Tiere im Ökosystem:

Wanderfalke

Rotes Riesenkänguru

 

 

  1. Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2005 

 

 

 

Wellensittich: Überblick

Verbreitung

Australien

Alter

12-14 Jahre

Größe

18-24 cm

Gewicht

30-40 g

Fortpflanzungsperiode

Januar bis Dezember

Gelegegröße

4-6 Eier

Brutdauer

18 Tage

Nestlingsdauer

28-31 Tage

Nahrung

Grassamen und Körner

Natürliche Feinde

Graurücken-Würgatzel, Schlangen, Wanderfalke

 

 

(c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2005